Seit dem 1. Januar 2024 steht Sibylle Marti an der Spitze von Knies Kinderzoo in Rapperswil – mit spürbarem Erfolg. Die in der Region tief verwurzelte Direktorin hat den Zoo in kurzer Zeit zu einem Ort entwickelt, an dem Wissen auf vielfältige Weise vermittelt wird und Kinder wie Erwachsene die Tierwelt hautnah erleben können. Im Zentrum steht dabei stets das Wohlergehen der Tiere. Sibylle Marti spricht über unvergessliche Erlebnisse im Zoo und über nachhaltige Investitionen in Anlagen, Inhalte und Menschen.

Sie führen seit rund zwei Jahren Knies Kinderzoo. Was schätzen Sie besonders an ihrem Job?
Sibylle Marti: Die Kombination aus Verantwortung, Gestaltungsspielraum und Sinnhaftigkeit. Knies Kinderzoo ist ein emotionaler Ort – für Kinder, Familien und Mitarbeitende. Ich darf hier täglich daran arbeiten, Tierwohl, Erlebnis, Wirtschaftlichkeit und Bildung in ein glaubwürdiges Gleichgewicht zu bringen. Diese Vielschichtigkeit fordert mich – und genau das liebe ich an meinem Job.
In den letzten zwei Jahren hat Knies Kinderzoo unter Ihrer Führung schon einige Änderungen erfahren. Was sind die wichtigsten Neuheiten und wo setzen Sie diesbezüglich Prioritäten?
Wir haben bewusst an Qualität statt an Quantität gearbeitet. Zentrale Themen waren und sind Tierwohl, zeitgemässe, unterhaltende Angebote und neue Erlebnisse wie das Zookino in «Knies Zauberhut» oder neue Streichelzoos. Priorität haben für mich nachhaltige Investitionen in Anlagen, in Inhalte und in Menschen.
Knies Kinderzoo Rapperswil, gegründet 1962 von der Zirkusdynastie Knie, ist bekannt für seine einzigartige Nähe zwischen Mensch und Tier. Was macht Knies Kinderzoo besonders im Vergleich zu anderen Zoos?
Die besondere Nähe zwischen Mensch und Tier ist unser Markenzeichen. Knies Kinderzoo ist kein anonymer Grosszoo, sondern ein Ort des persönlichen Erlebens. Kinder und Erwachsene dürfen hautnah bei unseren Elefanten, Giraffen oder Pinguinen staunen, lernen und Fragen stellen. Diese emotionale Bindung ist der erste Schritt zu echtem Verständnis für Tiere.

Welche Rolle spielt dieser Zoo für die Region Rapperswil am Zürichsee?
Der Kinderzoo ist ein wichtiger Identifikationspunkt für die Region. Er verbindet Generationen, stärkt den Tourismus und ist ein bedeutender Arbeitgeber. Gleichzeitig leisten wir einen Beitrag zur Umweltbildung – gerade in einer Region, in der Natur und Freizeit eng zusammengehören und auch der lokale Zusammenhalt wichtig ist.
Der Zoo hat sich in den letzten über 50 Jahren verändert. Was als kleiner Traum begann – Kindern die Tiere hautnah zu zeigen – ist zu einer Eventlocation geworden. Wie sieht die Philosophie von Knies Kinderzoo heute aus?
Unsere Philosophie hat sich weiterentwickelt vom reinen Erlebnis hin zu einem bewussten Bildungs- und Erlebnisort. Heute geht es darum, Menschen für Tiere zu sensibilisieren, Verantwortung zu vermitteln und unvergessliche Erlebnisse zu schaffen, immer wieder auch mit neuen Angeboten.
Die Tierhaltung ist heute stark reguliert. Wie bei vielen Zoos gab es auch beim Kinderzoo Kritik von Tierschutz-Organisationen. Seit 1999 gibt es ein schweizweites Verbot von Delfin-Shows, seit 2019 verzichtet der Kinderzoo nach lauter Kritik auf die Aufführungen mit Seelöwen. Sie verzichten auch auf das Elefantenreiten. Welche Aufgaben hat ein moderner Zoo heutzutage neben der Tierhaltung?
Moderne Zoos haben heute vier zentrale Aufgaben: Tierwohl, Bildung, Artenschutz und Forschung. Unterhaltung ist Mittel zum Zweck. Wir setzen auf Erlebnisse, die Wissen vermitteln und Respekt fördern. Mit Angeboten wie «Fantasy Dschungel» oder unserer Tierpräsentation «Arche Noah» wollen wir unvergessliche Erlebnisse schaffen, die zusätzlich berühren.
Sie haben eine enge Bindung zu Tieren. Was liegt Ihnen bezüglich Ihrer Tiere besonders am Herzen?
Mir ist wichtig, dass jedes Tier bei uns als Individuum wahrgenommen wird. Gute Haltung heisst für mich nicht nur moderne Anlagen, sondern auch Zeit, Aufmerksamkeit und Fachkompetenz. Unsere Tierpflegerinnen und Tierpfleger leisten hier Tag für Tag Grossartiges.
Knies Kinderzoo hat speziell für Kinder und Familien einiges zu bieten: Wie sieht Ihr Familienkonzept und Ihr Angebot diesbezüglich aus?
Unser Familienkonzept basiert auf Nähe zum Tier und auf Qualität. Kinder sollen bei uns entdecken, spielen und lernen dürfen – ohne Reizüberflutung. Angebote wie Tierbegegnungen, Spielplätze, Präsentationen und Zookino sind altersgerecht aufgebaut und familienfreundlich gestaltet. Dazu kommen sporadisch Zusatzangebote wie Kinderschminken, Auftritte von Zauberern oder spezielle Zootage mit interaktiven Programmen.
Eines der neuen Angebote ist der sogenannte «Zauberhut». Welche Idee steckt dahinter?
Knies Zauberhut ist ein Ort der Geschichten. Hier verbinden wir Gästeerlebnisse und Firmenevents oder Galas. Es ist ein bewusster Gegenpol zum klassischen Zooerlebnis draussen.

Die Giraffen Lodge ist ein ganz besonderer Höhepunkt. Gäste schlafen im Stockbett auf Augenhöhe mit den Giraffen. Welches Feedback bekommen Sie für diese spezielle Erlebnis von Ihren Gästen?
Das Feedback zur Giraffen Lodge ist überwältigend. Viele Gäste sprechen von einem einmaligen, fast magischen Erlebnis. Diese Nähe zu den stark bedrohten Rothschildgiraffen erzeugt tiefe Emotionen – und genau daraus entsteht nachhaltige Wirkung. Besser können wir nicht auf den Artenschutz aufmerksam machen.
Unser Freizeitangebot ist riesig: Was sind die grössten Herausforderungen in Ihrem Betrieb?
Eine der grössten Herausforderungen ist es, den Erwartungen aller Steakholder gerecht zu werden: Gästen aus allen Sinusmilieus, Behörden, Tierschutz, Mitarbeitenden. Gleichzeitig müssen wir wirtschaftlich denken und langfristig planen.
Wie sieht die Agenda von Knies Kinderzoo für dieses Jahr aus, respektive was sind die grössten Höhepunkte?
Unser Fokus bleibt klar auf Qualität und Glaubwürdigkeit. Riesig stolz sind wir auf das neue Zootram, das Lernende von Stadler Rail und die Schweizerische Südostbahn SOB für uns gebaut haben. Und statt Elefantenreiten kann man jetzt Elefantenfüttern inklusive Fotopoint.
Welche Projekte und Pläne haben Sie für die Zukunft?
Wir wollen ein Zoo sein, der mutig bleibt in Entscheidungen, in der Kommunikation und in der Weiterentwicklung. Wir wollen nicht perfekt sein, aber ehrlich – und auch unterhaltend. Und natürlich suchen wir immer Investoren und Sponsoren, da ein Zoo ohne zusätzliche Unterstützung nicht existieren kann.
Was wünschen Sie sich persönlich für Knies Kinderzoo?
Dass Knies Kinderzoo ein Ort bleibt, der berührt – ein Ort, an dem Kinder und Erwachsene für ein paar Stunden in eine andere Welt eintauchen können. Weg von der digitalen Dauerbeschallung, hin zu echten, analogen Abenteuern.
Interview: Corinne Remund
Zoo täglich geöffnet
bis 1. November 2026
Februar: 10:00-16:00 Uhr
ab März: 09:00-18:00 Uhr
Knies Kinderzoo
Oberseestrasse 36
8640 Rapperswil
Tel: 41 (0)55 220 67 60



